18 Februar 2026
ESPR: Was die neuesten EU-Updates für Mode- und Textilunternehmen bedeuten
- Produktion
Was passiert, wenn Gesetze gegen ehrliche Unternehmer:innen arbeiten?
Warst du jemals in einem Kinderladen und dachtest: Das fühlt sich einfach richtig an? Ehrliche Produkte, klare Kommunikation, Mitarbeiter:innen, die wirklich wissen, was sie verkaufen. Blabloom in Belgien war genau so ein Laden.
Bis die Türen endgültig schlossen.
Und nein, es lag nicht an schlechten Geschäften. Nicht an fehlenden Kund:innen. Es lag an etwas ganz anderem. An etwas, das heute still und leise ehrliche Unternehmer:innen in ganz Belgien erdrückt: die enorme bürokratische Last, die entsteht, wenn man transparent über seine Produkte kommuniziert und versucht, jede gesetzliche Anforderung zu erfüllen, die auf einen zukommt, ob vernünftig oder schlicht lächerlich. Es gibt einfach zu viele Regeln, als dass unabhängige Unternehmer:innen noch den Wald vor lauter Bäumen sehen könnten.
Die Gründer:innen Kim Smeets und Jan Raedschelders haben Blabloom auf einem Fundament aus Transparenz aufgebaut. Bewusste Entscheidungen, ehrliche Kommunikation, engagierte Kund:innen. Doch je mehr der Laden wuchs, desto stärker wurde die Kontrolle.
„In weniger als fünf Jahren wurden wir fast zwanzig Mal inspiziert. Wir mussten unsere Terminologie anpassen, unsere Kommunikation umschreiben und unsere Prozesse ändern. Sogar Wörter wie ‚nachhaltig’ durften nicht mehr ohne umfangreiche Belege verwendet werden.” — Kim Smeets und Jan Raedschelders, Gründer:innen von Blabloom
Der FOD Wirtschaft – der belgische föderale öffentliche Dienst für fairen Handel und Verbraucherschutz – hat Blabloom wiederholt hinsichtlich ihrer Sprachverwendung und Kommunikation inspiziert. Die Konsequenzen waren konkret und weitreichend:
Transparenz lag in ihrer DNA. Aber die Last war schlicht zu schwer zu tragen.
Als Gründerin von COSH! weiß ich, wie schwer Inspektionen rund um Umweltwirkungsaussagen wiegen können. Auch wir wurden 2023-2024 mehrfach vom FOD Wirtschaft hinsichtlich unserer Sprachverwendung und Kommunikation inspiziert. Das brachte Stress, Kosten und Berge an Mehrarbeit. Aber was hier passiert, fühlt sich nicht richtig an. Unternehmer:innen, die ihr Bestes tun, um transparent zu kommunizieren, sind diejenigen, die am härtesten getroffen werden. Kim Smeets und Jan Raedschelders, Gründer:innen von Blabloom
Niki, Gründerin und CEO von COSH!, reagiert mit Bestürzung:
„Als Gründerin von COSH! weiß ich, wie schwer Inspektionen rund um Umweltwirkungsaussagen wiegen können. Auch wir wurden 2023 – 2024 mehrfach vom FOD Wirtschaft hinsichtlich unserer Sprachverwendung und Kommunikation inspiziert. Das brachte Stress, Kosten und Berge an Mehrarbeit. Aber was hier passiert, fühlt sich nicht richtig an. Unternehmer:innen, die ihr Bestes tun, um transparent zu kommunizieren, sind diejenigen, die am härtesten getroffen werden.”
Das ist der Kern des Problems. Die Regulierung rund um Umweltaussagen – insbesondere die derzeit eingeführte EU-Richtlinie über Umweltaussagen (Green Claims Directive) – hat einen wichtigen Zweck: irreführende Werbung bekämpfen, Greenwashing entgegenwirken, Verbraucher:innen schützen. Dieses Ziel unterstützen wir vollständig.
Aber nun, da weniger über bewusste Entscheidungen kommuniziert wird und Unternehmen zum Greenhushing neigen – unfähig, unwillig oder zu verängstigt, um über ihre verantwortungsvollen Entscheidungen zu sprechen – werden auch Verbraucher:innen weniger aufmerksam. Dabei brauchen wir eigentlich, dass alle mehr kommunizieren, nicht weniger, wenn wir die EU-Green-Deal-Ziele für 2050 erreichen wollen.
Die Art und Weise, wie diese Regulierung heute angewendet wird, trifft nicht die großen Player mit vagen Versprechen. Sie trifft die kleinen, leidenschaftlichen Unternehmer:innen, die mutig und laut über ihre Entscheidungen sprechen, um die richtigen Zielgruppen zu erreichen.
Mehr Informationen zu belgischen Leitlinien für Umweltaussagen: https://economie.fgov.be/nl/themas/verkoop-en-diensten/milieuclaims
Was sind „Green Claims” und warum sind sie so komplex?
Ein Green Claim, eine Umweltaussage, ist jede Aussage über ein Produkt oder eine Dienstleistung, die sich auf deren Auswirkungen auf die Umwelt bezieht. Zum Beispiel: „aus Bio-Baumwolle hergestellt”, „ökologisch verpackt” oder schlicht das Wort „nachhaltig”.
Die EU-Richtlinie über Umweltaussagen (vorgeschlagen 2023, derzeit im Gesetzgebungsverfahren) verlangt, dass solche Aussagen belegbar, überprüfbar und nicht irreführend sind. Eine sinnvolle und notwendige Initiative, aber in der Praxis ist die Belastung für kleine Unternehmen enorm.
Mehr zur EU Green Claims Directive: https://environment.ec.europa.eu/topics/circular-economy/green-claims_en
Es mag überraschen, aber selbst der Online-Verkauf von gebrauchter Kinderbekleidung unterliegt Pflichten. Als Verkäufer:in bist du verpflichtet, die Materialzusammensetzung eines Produkts anzugeben – auch beim Verkauf eines Second-Hand-Artikels, bei dem das Etikett verblasst oder herausgeschnitten wurde.
Für kleine Läden und Einzelpersonen, die zu einer zirkuläreren Art des Kaufens von Kinderbekleidung beitragen, ist das ein echtes Hindernis. Die Absicht ist gut. Aber die Umsetzung ist komplex und fügt dem Verkauf von Second-Hand-Produkten, die ohnehin eine kleine Marge haben, einen zusätzlichen Arbeitsaufwand hinzu.
Wir sind glasklar: Irreführende Aussagen müssen weg. Greenwashing schadet Verbraucher:innen und dem Markt gleichermaßen. Aber der aktuelle Ansatz trifft nicht die Richtigen.
Kleine Läden, die bewusst kommunizieren, die ihre Produkte kennen, die ihre Kund:innen auf ihrer Reise mitnehmen – sie verdienen Unterstützung, keine Bestrafung!
Du möchtest wissen, wie du als Laden oder Verbraucher:in mit Umweltaussagen umgehen kannst? Melde dich für den COSH!-Newsletter an oder lies unseren Blog auf www.cosh.eco.
Blabloom ist weg. Aber es gibt noch Läden, die dieselbe Absicht tragen. Läden, die mit Sorgfalt kommunizieren, Fragen beantworten, ihre Produkte kennen. Diese Läden brauchen dich.
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