26 März 2026
Deine Nachhaltigkeitsbehauptungen sind in 185 Tagen illegal. Ist dein Modeunternehmen darauf vorbereitet?
- Greenwashing
DPP & ESPR erklärt: Zeitplan, Anwendungsbereich, Mode, Schuhe & recycelte Textilien
Die meisten Modemarken halten den Digital Product Passport für ein Problem, das erst 2028 relevant wird. Technisch gesehen haben sie Recht. In der Praxis werden die Marken, die bis 2028 warten, in zwölf Monaten ihre gesamte Lieferkettendokumentation nachträglich anpassen müssen. Diejenigen, die sich jetzt vorbereiten, werden den Übergang kaum bemerken.
Hier erfährst du, was der EU Digital Product Passport tatsächlich verlangt und was (noch) nicht.
Der Digital Product Passport (DPP) ist ein digitaler Datensatz, der über einen QR-Code, einen NFC-Chip oder ein RFID-Tag mit einem physischen Produkt verknüpft ist. Er ist gewissermaßen die offizielle Biografie eines Produkts: Wo wurde es hergestellt? Woraus besteht es? Wie schneidet es in Bezug auf Umweltkennzahlen ab? Und was sollte am Ende seiner Lebensdauer damit geschehen?
Der Digital Product Passport wurde mit der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR), Verordnung (EU) 2024/1781, eingeführt, die im Juni 2024 veröffentlicht wurde und seit Juli 2024 in Kraft ist. Ziel ist es, Produktinformationen auf dem EU-Markt für Verbraucher:innen, Behörden und B2B-Kund:innen transparent und einheitlich zu gestalten.
Was es nicht ist: eine einheitliche, universelle Verpflichtung, die für alle Produkte zu einem einzigen Datum in Kraft tritt. Dieser Unterschied ist von entscheidender Bedeutung.
Die ESPR ist eine Rahmenverordnung. Das bedeutet: Sie schafft den rechtlichen Rahmen für Digital Product Passports, aber die eigentliche Verpflichtung gilt erst dann, wenn die Europäische Kommission einen produktspezifischen delegierten Rechtsakt erlassen hat, ein sekundäres Rechtsdokument, das definiert, welche Daten ein DPP für eine bestimmte Produktkategorie enthalten muss. Für Textilien, Schuhe und Accessoires befinden sich diese delegierten Rechtsakte derzeit in der Ausarbeitung (Stand: 21. April 2026. Wir werden diesen Inhalt aktualisieren, sobald die delegierten Rechtsakte final sind).
Stand April 2026:
Das ist kein Grund, die Vorbereitung aufzuschieben. Es ist ein Grund, den Zeitplan klar zu verstehen und entsprechend zu handeln.
Der ESPR-Arbeitsplan identifiziert Textilien und Bekleidung als prioritäre Produktgruppe. Der genaue Anwendungsbereich wird im delegierten Rechtsakt definiert, aber aktuelle Forschungsergebnisse des Europäischen Parlamentarischen Forschungsdienstes (EPRS, 2024) und der EU-Textil-Vorbereitungsstudie 2025 deuten auf einen breiten Anwendungsbereich hin, von Bekleidung über Modezubehör und Haustextilien.
Schuhe
Derzeit existiert kein delegierter Rechtsakt für Schuhe. Eine gesonderte Bewertung ist im Gange, deren Ergebnisse bis Ende 2027 erwartet werden. Falls Anforderungen für Schuhe eingeführt werden, folgen sie dem Textil-Rechtsakt – nicht umgekehrt.
Kleines Zubehör (Socken, Mützen, Schals, Textilschmuck)
Der Anwendungsbereich hängt davon ab, wie der künftige delegierte Rechtsakt für Textilien die Produktkategorien definiert. Die ESPR ermöglicht Flexibilität bei der Platzierung des Datenträgers, insbesondere für Artikel, bei denen ein QR-Code am Kleidungsstück selbst unpraktisch ist. Für kleines Zubehör wird diese Flexibilität entscheidend sein. Genaue Ausnahmen werden erst nach Veröffentlichung des delegierten Rechtsakts bestätigt.
Second-Hand und Vintage
Produkte, die sich bereits vor dem Inkrafttreten eines delegierten Rechtsakts auf dem EU-Markt befinden, müssen nicht rücckwirkend nachgerüstet werden. Für neue Produkte, die nach dem Stichtag in den Verkehr gebracht werden, müssen Weiterverkauf-Plattformen, einschließlich Online-Marktplätze und Second-Hand-Plattformen, nicht nur die ursprünglichen Marken, sicherstellen, dass Kund:innen auf den DPP zugreifen können.
Ein noch ungelöstes Problem ist es wert, hier benannt zu werden: Etiketten werden herausgeschnitten. Pflegeetiketten werden nach jahrelangem Waschen unleserlich. Ein QR-Code, der ein Jahrzehnt Tragen, Weiterverkaufen und Verändern nicht übersteht, kann eine Kreislaufwirtschaft nicht unterstützen. Die Haltbarkeit und Platzierung von DPP-Datenträgern ist ein Standardisierungsproblem, das der delegierte Rechtsakt noch lösen muss und eines, das Marken, die langlebige Kleidung herstellen, jetzt in ihren Branchenverbänden ansprechen sollten.
Verbindliche Anforderungen gibt es noch nicht. Basierend auf dem EPRS (2024) und der EU-Textil-Vorbereitungsstudie 2025 wird erwartet, dass der delegierte Rechtsakt Daten in sechs Kategorien verlangt:
Wenn deine Marke diese Daten bereits intern erfasst, ist die DPP-Konformität eine Integrationsaufgabe. Wenn du deine Tier-2-Lieferanten nicht kennst oder deine Faserzusammensetzungsdaten in einer Tabelle liegen, die seit 2021 niemand mehr aktualisiert hat, dann liegt dort die eigentliche Arbeit.
Die meisten DPP-Berichte sind für Marken mit einem Compliance-Team, einer Lieferantendatenbank und eine:r Nachhaltigkeitsmanager:in geschrieben. Wenn du selbst designst, produzierst, verkaufst und deine Instagram-Captions schreibst, ist dieser Abschnitt für dich.
Die ehrliche Antwort lautet: Du musst jetzt noch nicht alles im Griff haben. Aber du musst anfangen zu wissen, was du herstellst. Das bedeutet:
Du brauchst weder teure Software noch externe Berater:innen. Vieles, was du für den DPP benötigst, schlummert sicherlich bereits in deinen Produktionsnotizen, Auftragsbestätigungen und Stoffmustern.
Bei COSH! haben wir unser DPP-Tool speziell für Marken wie deine entwickelt. Du beantwortest einen strukturierten Fragenkatalog zu jedem Produkt, und wir generieren einen konformen Pass. Kein Supply-Chain-Team erforderlich.
Der DPP ist noch nicht verpflichtend, aber die Infrastruktur wird bereits aufgebaut. Marken, die bei der Lieferkettentransparenz führen, profitieren davon auch geschäftlich.
Nobody’s Child ist eine mittelgroße britische Damenmodemarke, die bereits 2023, weit vor jeder gesetzlichen Verpflichtung, mit der Bearbeitung von Digital Product Passports begonnen hat. Die ersten Pilotversuche zeigten, dass eine vollständige DPP-Konformität rund 110 Datenpunkte pro Produkt erfordert und, dass die Erfassung dieser Informationen in traditionell wenig transparenten Modefertigungsketten besonders anspruchsvoll ist. Seitdem hat die Marke DPPs für 112 Styles eingeführt und über 20.000 Kund:innen-QR-Scans generiert. Ihre Botschaft: Warte nicht auf den delegierten Rechtsakt, bevor du mit der Datenerfassung anfängst. Wer jetzt beginnt, ist der Verordnung einen Schritt voraus, nicht umgekehrt.
COSH! schafft diesen Ausgangspunkt für unabhängige Marken. Unser DPP-Tool ermöglicht es kleinen Labels, ihre Kollektionen, Materialien, Herkunft, Lieferkettendaten, in einem Format zu dokumentieren, das bereits auf die erwarteten ESPR-Anforderungen abgestimmt ist. Aarden, BYBROWN, Fifth Origins, Udiri, Mon Col Anvers, Bamboo Belgium und Charkha & Loom nutzen es bereits.
Viele Informationen auf einmal. Aber ich habe den ersten Schritt gemacht. Ich bin froh, dass die Infrastruktur vorhanden ist. COSH! hat mich begleitet, sodass ich nicht selbst nach Informationen suchen musste, dadurch habe ich mir Zeit und Stress gespart. Eva Juchtmans, Inhaberin, Mon Col Anvers
Bevor der DPP kommt, gilt bereits eine ESPR-Maßnahme.
Das Verbot der Vernichtung unverkaufter Textilien, Bekleidung und Schuhe ist direkt in der Verordnung verankert und benötigt keinen delegierten Rechtsakt.
Kleinstmarken sind vom Vernichtungsverbot ausgenommen. Aber Ihre Großhändler, die Boutiquen und Concept Stores, die Ihre Marke führen sollen, sind es nicht. Sie werden die Datenanforderungen an ihre Lieferanten weitergeben. Das bedeutet: an dich. DPP-bereite Marken bekommen den Regalplatz. Alle anderen nicht.
Kleinere Marken erhalten für einige Pflichten gemäß Artikel 19 der ESPR verlängerte Übergangsfristen, aber keine unbegrenzte Ausnahme. Das Vernichtungsverbot gilt für Kleinstunternehmen und kleine Unternehmen im selben Zeitrahmen wie für größere Marken. Das ist ein Signal, wie die Kommission DPP-Pflichten gestalten will.
Die unmittelbarste Durchsetzung kommt nicht aus Brüssel. Sie kommt von Ihren Käufer:innen.
Einzelhändler beginnen bereits, von Marken Lieferkettendaten als Lieferantenbedingung zu verlangen, unabhängig davon, was Regulierungsbehörden fordern. Käufer:innen und Beschaffungsteams im Premium- und Unternehmensbereich werden DPP-Bereitschaft zunehmend als Basiserwartung behandeln, nicht als Unterscheidungsmerkmal. Wenn du keinen Link zu deinen Produktdaten senden kannst, kommst du nicht in die engere Wahl.
Das regulatorische Risiko verstärkt dies. Nach der ESPR können nicht konforme Produkte vom Verkauf in der EU ausgeschlossen werden, und die Mitgliedstaaten müssen „wirksame, verhältnismäßige und abschreckende“ Sanktionen festlegen. Es wird erwartet, dass Geldbußen einem ähnlichen Modell wie die DSGVO-Durchsetzung folgen. Die genauen länderspezifischen Strafrahmen für den delegierten Rechtsakt für Textilien wurden noch nicht bestätigt.
Der Digital Product Passport ist rechtlich unter der ESPR etabliert. Für Textilien, Schuhe und Accessoires entstehen jedoch konkrete Verpflichtungen erst mit der Verabschiedung delegierter Rechtsakte. Voraussichtlich ab 2027, mit einer Umsetzung frühestens 2028.
Die Marken, die DPP-Konformität unkompliziert finden werden, sind diejenigen, die ihre Lieferketten bereits kennen, ihre Materialien dokumentieren und Produktlebensdauer als Designparameter betrachten.
Ist der EU Digital Product Passport bereits verpflichtend für Modemarken?
Noch nicht für Textilien. Der DPP wurde mit der ESPR (Verordnung (EU) 2024/1781) im Juli 2024 eingeführt, wird aber erst verpflichtend, wenn die Europäische Kommission einen produktspezifischen delegierten Rechtsakt erlassen hat. Für Textilien wird dieser Rechtsakt um 2027 erwartet, mit verbindlicher Konformität frühestens 2028.
Welche Daten muss ein Digital Product Passport für Textilien enthalten?
Noch gibt es keine verbindlichen Anforderungen. Basierend auf EPRS (2024) und der EU-Textil-Vorbereitungsstudie 2025 werden folgende Datenkategorien erwartet: Materialzusammensetzung, Herstellungsprozesse, Umweltkennzahlen, Chemikalien-Konformitätsnachweise, Lieferkettentransparenz bis mindestens Tier 2 sowie Haltbarkeits- und Recyclingangaben.
Gilt der Digital Product Passport für Second-Hand-Kleidung und Resale-Plattformen?
Produkte, die sich bereits vor dem Inkrafttreten des einschlägigen delegierten Rechtsakts auf dem EU-Markt befinden, sind von rückkwirkenden DPP-Anforderungen ausgenommen. Für neue Produkte, die nach dem Stichtag in den Verkehr gebracht werden, müssen alle Verkäufer:innen, einschließlich Resale-Plattformen, sicherstellen, dass Kund:innen auf den DPP zugreifen können.
Gilt der Digital Product Passport für kleine Marken und unabhängige Einzelhändler?
Letzlich ja. Artikel 19 der ESPR sieht verlängerte Übergangsfristen und Unterstützung für KMU bei einigen Verpflichtungen vor, aber DPPs gelten schließlich für jedes in der EU verkaufte Produkt, unabhängig von der Unternehmensgröße.
Gilt der EU Digital Product Passport für Schuhe und kleines Zubehör wie Socken oder Mützen?
Derzeit nicht. Schuhe werden in einem gesonderten Regulierungsverfahren bewertet, dessen Ergebnisse bis Ende 2027 erwartet werden. Kleines Zubehör fällt unter den künftigen delegierten Rechtsakt für Textilien, der den genauen Produktumfang, Ausnahmen und zulässige Platzierungen von Datenträgern definieren wird.
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