4 Januar 2025
Deine vegane Hautpflegeroutine: Entdecke die beste tierfreie Kosmetik
- COSH! Member Publicity
Seit Sheglam die Ladenregale einer beliebten Drogeriemarktkette erobert hat, kann jede:r Teenager ohne Kreditkarte der Eltern und ohne Altersprüfung Make-up von Shein kaufen. Das wirft eine Frage auf, die über Trends oder Preis hinausgeht: Weißt du eigentlich, was du, oder dein Kind, dir ins Gesicht schmierst und von wem du es kaufst?
Sheglam ist die Kosmetikmarke von Shein, gegründet 2019. Die Marke baute ihre Popularität über TikTok und Influencer-Marketing auf, mit klarem Fokus auf ein junges Publikum, einschließlich der Generation Alpha, unter anderem durch Kooperationen im Umfeld von Filmen und Franchises, die Kinder und Jugendliche ansprechen.
Bislang konnte dieses junge Publikum Sheglam nur online über die Shein-Plattform erreichen. Da die Marke aber mittlerweile physisch zB. bei DM erhältlich ist, verschwindet diese Hürde: Ein Teenager, der (noch) nicht online bei Shein einkaufen darf oder möchte, geht einfach im Laden vorbei.
Bei COSH! sehen wir dieses Muster häufiger: Marken, die versuchen, Reputationsschäden aus dem Online-Geschäft zu umgehen, indem sie sich über einen etablierten stationären Händler ein “saubereres” Image verschaffen. Shein hat Ähnliches bereits zuvor getan, indem es Everlane (eine Marke, die für ihr Nachhaltigkeitsengagement gelobt wurde) übernahm.
Sheglam behauptet, operativ von Shein unabhängig zu sein. In Bezug auf Kapital, Vertriebsnetz und Eigentümerschaft ist die Marke jedoch vollständig mit Shein verflochten. Für Verbraucher:innen, die an der Kasse in der Drogerie stehen, macht diese rechtliche Unterscheidung in der Praxis keinen Unterschied: Es bleibt Shein-Geld, Shein-Marketing und Shein-Infrastruktur.
Diese Eigentümerschaft ist mehr als eine bloße Formalität. Nach der EU-Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken kann das Weglassen wesentlicher Informationen – etwa der Eigentümerschaft, sofern sie die Kaufentscheidung beeinflusst – als irreführende Unterlassung gelten. Wenn Eltern bewusst darauf verzichten, online bei Shein einzukaufen, verdienen sie die Information, um dieselbe Entscheidung auch im stationären Geschäft treffen zu können. Das ist keine eindeutig geklärte Rechtsfrage, aber durchaus eine berechtigte Frage an DM: Sollte der Händler expliziter kommunizieren, dass Sheglam eine Shein-Marke ist?
Shein steht wegen giftiger Stoffe in seinen Produkten in der Kritik – belegt durch unabhängige Labortests in mehreren Ländern:
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um Testergebnisse zu Kleidung und Accessoires, nicht speziell zu Sheglam-Kosmetik. Für die Make-up-Linie von Sheglam fehlt derzeit eine vergleichbare unabhängige Laboruntersuchung. Das ist kein Beweis dafür, dass die Kosmetik unsicher ist. Angesichts der Vorgeschichte des Mutterkonzerns aber durchaus eine berechtigte Sorge, solange unabhängige Tests ausbleiben.
Bei allem, was über Shein bekannt und nachgewiesen wurde, würde ich mir selbst oder meinen eigenen Kindern niemals etwas von Sheglam kaufen oder ins Gesicht schmieren. Niki de Schryver, CEO von COSH!
Sheglam gibt seit November 2022 an, im Rahmen des Leaping-Bunny-Programms von Cruelty Free International zugelassen zu sein, kein selbst vergebenes Label, sondern ein unabhängig geprüftes Programm mit Lieferantenüberwachung.
Bei genauerem Hinsehen ergeben sich dennoch Fragen:
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Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Seit dem 1. Mai 2021 sind importierte “allgemeine Kosmetika” in China von verpflichtenden Tierversuchen befreit, sofern Unternehmen ein GMP-Zertifikat und eine Sicherheitsbewertung der Produkte vorlegen. Diese Befreiung gilt jedoch ausdrücklich nicht für Produkte, die sich an Kinder oder Babys richten, oder für Marken, die unter verschärfter behördlicher Beobachtung stehen. Wie oben beschrieben, richtet sich Sheglam ausdrücklich an die Generation Alpha und an Teenager. Das wirft eine berechtigte Frage auf: Wie passt das Leaping-Bunny-Versprechen zu einem Verkauf an eine Zielgruppe, die formal außerhalb der chinesischen Testbefreiung liegt?
Ein berechtigter Einwand, und Differenzierung ist hier angebracht. Höhere Verkaufsvolumen führen naturgemäß zu mehr gemeldeten Vorfällen in absoluten Zahlen. Das allein sagt nichts über den Anteil der Produkte mit tatsächlichen Problemen aus.
Das entlastet Shein jedoch nicht. Die bei Shein-Kleidung festgestellten Grenzwertüberschreitungen (bis zum 3.300-Fachen des EU-PFAS-Grenzwerts) sind in ihrer Größenordnung nicht vergleichbar mit dem, was bei etablierten Marken typischerweise festgestellt wird. Preis oder Bekanntheitsgrad einer Marke sagt für sich genommen nichts über Sicherheit aus. Entscheidend ist, ob Behauptungen extern überprüfbar sind.
Genau danach screent COSH! Kosmetikmarken auf unserer Plattform: nicht nach Preissegment oder Bekanntheitsgrad, sondern anhand unserer eigenen Transparenzkriterien: verifizierte Inhaltsstofflisten, unabhängige Zertifizierung, wo zutreffend, und nachweisbare Lieferkettentransparenz.
Nein, und diese Unterscheidung ist wichtig. Das Problem ist nicht, dass Sheglam eine chinesische Marke ist. Das Problem ist, dass sich die Behauptungen auf der Website nicht auf Belege stützen lassen. Genau hier sollten Aufsichtsbehörden ansetzen: nicht, weil eine Marke aus China stammt, sondern weil eine Behauptung unbelegt ist. Solange kleine, tatsächlich transparente lokale Anbieter denselben Regeln unterliegen wie große Plattformen, ist das ein fairer Wettbewerb und das ist derzeit nicht der Fall.
Du musst nicht selbst jede Inhaltsstoffliste und jede Behauptung durchforsten. COSH! führt eine Übersicht über Kosmetikmarken und Geschäfte, die anhand unserer eigenen Transparenzkriterien geprüft wurden, etwa verifizierte Inhaltsstoffe, unabhängige Zertifizierung und Lieferkettentransparenz, sowie über Geschäfte, in denen du Naturkosmetik findest, mit oder ohne Bio- oder Vegan-Zertifizierung. Diese Übersicht findest du unter cosh.eco/de/topic/cosmetics.
Im klassischen Drogeriemarkt kannst du auf solche Marken stoßen. Das Regal selbst trifft diese Unterscheidung jedoch nicht für dich. Dort steht Sheglam einfach neben einer biozertifizierten Marke, ohne jedes Signal, welche Behauptungen belegt sind und welche nicht.
Niemand muss Sheglam verurteilen, weil die Marke günstig, chinesisch oder trendig ist. Aber für eine Marke, die sich ausdrücklich an die Generation Alpha und Teenager richtet und über eine etablierte Drogeriekette ein saubereres Image erhält als der Mutterkonzern Shein, ist es angemessen zu fragen: Wo sind die unabhängigen Belege?
Solange diese Belege, speziell für die Kosmetiklinie, nicht für die Kleidung vorliegen, lohnt es sich, die Behauptungen selbst zu prüfen, bevor du dir oder deinem Kind etwas ins Gesicht schmierst. Die Übersicht geprüfter Kosmetikmarken findest du unter cosh.eco, wenn du sichergehen willst, dass die Behauptungen stimmen.
Frage: Ist Sheglam dasselbe Unternehmen wie Shein?
Antwort: Sheglam behauptet, operativ unabhängig zu sein, ist jedoch hinsichtlich der Eigentümerschaft, des Kapitals und des Vertriebsnetzes vollständig mit Shein verflochten. Für Verbraucher:innen macht diese rechtliche Unterscheidung in der Praxis kaum einen Unterschied.
Frage: Gibt es unabhängige Tests, die belegen, dass Sheglam-Make-up unsicher ist?
Antwort: Nein, nicht speziell für die Kosmetiklinie. Die bekannten Labortests auf giftige Stoffe (PFAS, Phthalate, Blei, Formaldehyd) wurden an Shein-Kleidung und ‑Kinderaccessoires durchgeführt, nicht an Sheglam-Produkten selbst. Das Fehlen vergleichbarer unabhängiger Forschung zum Make-up ist an sich bereits ein Punkt, den man im Blick behalten sollte.
Frage: Ist die Leaping-Bunny-Zertifizierung von Sheglam vertrauenswürdig?
Antwort: Sheglam gibt an, seit 2022 im Rahmen des „Leaping Bunny“-Programms von Cruelty Free International, einem unabhängigen Gütesiegelprogramm, zertifiziert zu sein. Dies ist auf der Website von Cruelty Free International nachzulesen. Die Marke ist jedoch über die offizielle Suchfunktion auf leapingbunny.org nicht zu finden, und das Leaping-Bunny-Logo wird auf der eigenen Website nicht angezeigt, was es für Verbraucher:innen schwierig macht, diese Behauptung zu überprüfen.
Frage: Warum konzentriert sich dieser Artikel speziell auf Sheglam und nicht auf andere günstige Make-up-Marken?
Antwort: Weil sich Sheglam ausdrücklich an ein junges Publikum (Generation Alpha und Teenager) richtet und über DM physisch zugänglich ist, ohne die Hürden des Online-Einkaufs bei Shein. Diese Kombination aus jungem Publikum, niedrigschwelligem Zugang und fehlender unabhängiger Kosmetikforschung macht es sinnvoll, die Situation gesondert zu betrachten.
Frage: Wie kann ich als Verbraucher:in erkennen, ob eine Make-up-Marke ihre Behauptungen belegen kann?
Antwort: Achte auf konkrete, klar abgegrenzte Behauptungen (etwa mit einem Prozentsatz oder einer Erklärung, was ein Label genau abdeckt) statt auf allgemeine Begriffe wie “sicher” oder “cruelty-free” ohne Quellenangabe. Plattformen wie COSH! prüfen Kosmetikmarken auf verifizierte Inhaltsstofflisten, unabhängige Zertifizierungen und Lieferkettentransparenz, sodass du das nicht selbst herausfinden musst.
💡 Tipp von COSH!: Nachhaltigkeits- und Sicherheitsbehauptungen müssen nicht perfekt sein, um ehrlich zu sein; sie müssen konkret, nachprüfbar und wahrheitsgemäß sein. Für mehr Unterstützung: cosh.eco
Die COSH! Green-Claims-Analyse ist eine erste Einschätzung auf Basis verfügbarer Quellen und EU-Regulierung; keine Rechtsberatung.
Quellen
4 Januar 2025
16 Februar 2024
3 Juni 2020