12 August 2026
Wie Düsseldorf nachhaltige Jeans neu denkt
- COSH! Member Publicity
- Shopping Stadtführer
- Lifestyle
Drei Menschen, drei Perspektiven: Wie Düsseldorf nachhaltige Mode neu denkt
Wer an Mode und Düsseldorf denkt, denkt meist zuerst an die Königsallee: internationale Luxusmarken, glänzende Schaufenster und eine der bekanntesten Einkaufsstraßen Europas. Doch die Modestadt hat längst mehr zu bieten als die Kö. In Vierteln wie Unterbilk und Pempelfort, rund um die Lorettostraße, die Nordstraße oder den Carlsplatz entstehen Kollektionen in Handarbeit, neue Ideen für bewussteren Konsum sowie Konzepte, die Mode persönlicher, langlebiger und individueller machen.
Hier arbeiten Menschen, die Nachhaltigkeit nicht als Verzicht verstehen, sondern als Einladung, Kleidung neu zu denken: Designerin Angelika Kauffmann entwirft handgefertigte Kollektionen mit hohem Wiedererkennungswert, Stylistin Uta Engbert von Slowsetter zeigt, welches Potenzial bereits im eigenen Kleiderschrank steckt, und Heiko Wunder von wunderwerk setzt sich seit Jahren für eine verantwortungsvollere Modebranche ein.
Drei Gespräche, drei Perspektiven und doch eine gemeinsame Erkenntnis: Nachhaltige Mode beginnt nicht erst beim Einkauf. Sie beginnt mit einer Haltung – und manchmal einfach mit dem Mut, Dinge anders zu machen.
Puffärmel, feminine Silhouetten und handgefertigte Einzelstücke gehören längst zur Handschrift von Angelika Kauffmann. In ihrem Düsseldorfer Atelier entstehen Kollektionen ihres gleichnamigen Labels, die historische Einflüsse in die Gegenwart übersetzen. Statt Trends hinterherzulaufen, setzt die Designerin auf Individualität, lokale Fertigung und Kleidung, die lange getragen werden soll.
Für alle, die deine Marke noch nicht kennen: Wofür steht Angelika Kauffmann?
Mein Label besteht ausschließlich aus handgefertigten Stücken. Ich würde sagen, meine Mode ist sehr feminin. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass sie bequem ist. Man soll schick angezogen sein und sich trotzdem frei bewegen können.
Ich denke zum Beispiel an Wickelkleider oder elastische Elemente. Auch daran, dass man sich nach einem guten Essen noch wohlfühlt. Solche Dinge fließen immer in meine Entwürfe ein.
Produziert wird alles hier in Düsseldorf. Nachhaltigkeit bedeutet für mich aber auch, Materialien möglichst vollständig zu nutzen. Aus dem letzten Stoffrest entsteht vielleicht noch ein Kragen oder ein anderes Detail. Weggeworfen wird bei mir so gut wie nichts.
Meine Entwürfe haben außerdem einen hohen Wiedererkennungswert. Puffärmel oder bestimmte Schnitte tauchen immer wieder auf. Wer meine Mode kennt, erkennt sie meistens sofort.
Man sollte sich elegant kleiden können, ohne sich dabei eingeengt zu fühlen. Ich überlege mir sogar, ob man sich auch nach einem guten Essen noch wohlfühlt. Angelika Kauffmann, Designerin & Gründerin
Deine Kollektionen greifen immer wieder historische Einflüsse auf, beispielsweise aus den 1920ern, 1950ern oder 1980ern, und wirken dabei trotzdem modern. Wie entsteht diese Handschrift?
Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob ich das bewusst mache. Ich glaube, das ist einfach mein kreativer Kopf. Ich schaue alte Filme, blättere durch Bücher oder entdecke Gemälde und frage mich sofort: Wie würde ich das heute tragen? Mich faszinieren Schürzen, außergewöhnliche Silhouetten oder riesige Kleider vergangener Epochen.
Puffärmel oder markante Silhouetten sind ein echtes Statement. Erlebst du häufig, dass Frauen genau das begeistert – ihnen am Ende aber der Mut fehlt?
Ja, sehr oft. Viele schauen sich meine Kleidung an und sagen: „Ich finde das total schön, aber ich traue mich nicht, das zu tragen.“ Ich finde das, ehrlich gesagt, manchmal verrückt, weil ich Mode ganz anders sehe. Mir ist es ziemlich egal, wenn Leute schauen. Gleichzeitig verstehe ich diese Unsicherheit natürlich auch. Deshalb bitte ich viele Kundinnen einfach, das Kleidungsstück einmal anzuziehen. Und plötzlich sagen sie: „Das ist ja der absolute Hammer.“
Dieses Anprobieren ist daher unglaublich wichtig. Oft merkt man erst dann, wie gut etwas wirklich zu einem passt. Ich habe meistens ein gutes Gespür dafür, welcher Schnitt oder auch welcher Puffärmel zu welchem Typ passt. Genau dieser Moment macht mir an meiner Arbeit am meisten Freude.
Es ist unglaublich wichtig, Kleidung anzuprobieren. Oft merkt man erst, wie gut einem etwas steht, wenn man es tatsächlich trägt. Angelika Kauffmann, Designerin & Gründerin
Alle deine Kollektionen entstehen in Düsseldorf. Welche Rolle spielt die Stadt für dein Label – und wohin soll die Reise künftig gehen?
Kreativ inspiriert mich Düsseldorf tatsächlich gar nicht. (lacht) Meine Inspiration kommt woanders her, aber manchmal sehe ich auch jemanden auf der Straße und denke: Wow, das sieht großartig aus. Aber das hängt nicht an einem bestimmten Ort.
Trotzdem ist Düsseldorf genau der richtige Ort für mein Label. Besonders gerne bin ich rund um die Lorettostraße oder am Carlsplatz unterwegs. Ich mag die kleineren Geschäfte, die Atmosphäre und die Menschen. Gerade in der Modeszene habe ich viele erlebt, die sich gegenseitig unterstützen und verstehen, dass Vernetzung allen hilft.
Du arbeitest mit vielen jungen Menschen zusammen. Hast du das Gefühl, dass sich der Blick auf Mode gerade verändert?
Ja, irgendwie schon. Gerade bei meinen Praktikantinnen und Praktikanten merke ich, dass Nachhaltigkeit und bewusster Konsum wichtige Themen geworden sind. Natürlich sagen viele auch ganz offen: „Ich habe einfach nicht das Geld dafür.“ Das kann ich gut nachvollziehen.
Was ich aber besonders spannend finde: Ich habe das Gefühl, dass Individualität wieder wichtiger wird. Vor ein paar Jahren hatte ich oft den Eindruck, dass viele Menschen sehr ähnlich aussehen wollten. Heute sehe ich wieder mehr Persönlichkeit und unterschiedliche Stilrichtungen.
Das gefällt mir sehr. Denn genau das macht Mode am Ende aus.
12 August 2026
12 August 2026
26 Juni 2026