1 Dezember 2025
Wie soziale Verantwortung die Modebranche verändert
- Diversität
KI und die deutsche Kreativwirtschaft
Der German Creative Economy Summit geht in die dritte Runde, und in diesem Jahr stellt sich in jedem Raum dieselbe Frage: Was passiert mit einer Branche, die auf menschlicher Kreativität basiert, wenn Maschinen anfangen zu kreieren?
Was ist der GCES?
Der GCES ist Deutschlands führender Kongress für die Kreativwirtschaft, ein Treffpunkt für Kreative: Musiker:innen, Designer:innen, Architekt:innen, Journalist:innen, Werbekreative sowie Politiker:innen und Investor:innen, die ihre Arbeit unterstützen oder erschweren.
Organisiert wird er von der Hamburg Kreativ Gesellschaft, der größten öffentlichen Institution für die Kreativwirtschaft in Deutschland. Der Summit basiert auf einer klaren Idee: Die Kreativbranchen sind zu zersplittert und in wirtschafts- und digitalpolitischen Debatten oft kaum sichtbar. Der GCES will das ändern.
Das diesjährige Thema: Künstliche Intelligenz und die digitale Wirtschaft.
Die zentrale Frage
Was passiert mit einer Branche, wenn ihr wichtigstes Kapital, Kreativität, automatisierbar wird?
Diese Frage zog sich durch jedes Panel, jedes Gespräch und jeden Workshop. Der Summit strukturierte diese Spannung entlang von vier thematischen Tracks:
Auf den Bühnen: Talks, Panels und Gespräche
Der Summit wurde mit Statements politischer und wirtschaftlicher Entscheidungsträger:innen eröffnet, die den Rahmen für die folgenden Diskussionen setzten. Egbert Rühl, CEO der Hamburg Kreativ Gesellschaft, begrüßte die Teilnehmenden, bevor Dr. Carsten Brosda (Hamburgs Senator für Kultur und Medien), Gitta Connemann (Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) und Björn Böhning (Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen) nacheinander auf die Bühne traten. Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, schaltete sich per digitaler Grußbotschaft dazu.
Die Botschaft war eindeutig: Die Kreativwirtschaft ist kein „weiches“ Kulturanhängsel, sondern ein relevanter Wirtschaftsfaktor, der bei der Gestaltung der KI-Regulierung mit am Tisch sitzen muss.
Am Nachmittag wurde es praxisnah. In schnellen Impulsvorträgen ging es um die konkrete Anwendung von KI im kreativen Alltag: Nina Matzat sprach über KI-Agenten und ihre Entwicklung über klassische generative Tools hinaus; Dr. Paul Elvers (FUNKE Mediengruppe) zeigte, wie KI zunehmend als redaktionelle Infrastruktur im großen Maßstab eingesetzt wird; und Jenny Habermehl beleuchtete insbesondere die Situation von Solo-Selbstständigen, die diese Veränderungen oft ohne institutionelle Unterstützung bewältigen müssen. Ein abschließendes Panel brachte diese drei Perspektiven mit Holger Volland zusammen und verband Workflow-Veränderungen mit neuen Modellen der Wertschöpfung.
Der Tag endete mit dem Künstler und KI-Kritiker Boris Eldagsen im Gespräch mit Moderatorin Tamara Güçlü in der Session „Zoom Out, Brain!“. Im Mittelpunkt stand die Frage, was Kreative bereits intuitiv über KI spüren, aber noch nicht vollständig einordnen können. Ein passender Abschluss: ehrlich in der Unsicherheit, aber ohne in Stillstand zu verfallen.
Tag zwei begann mit Balbina, der Berliner Musikerin, die die Frage stellte, was von menschlichem Pop übrig bleibt, wenn Algorithmen zunehmend bestimmen, was gehört wird und was verschwindet. Einer der leisen, aber stärksten Momente des Summits.
Im Anschluss sprach Miriam Davoudvandi darüber, was es bedeutet, mehrere kreative Rollen gleichzeitig zu tragen und eine stimmige öffentliche Stimme über diese Vielschichtigkeit hinweg zu entwickeln. Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen, setzte mit einer politischen Einordnung fort, bevor Caroline Norbury eine strukturelle Frage aufwarf, die in der Branche oft zu selten offen diskutiert wird: Wie öffentliche Fördermittel privates Investment in der Kreativwirtschaft gezielt anstoßen können, statt es nur zu ersetzen.
Parallel dazu lief an Tag zwei ein Block, der eines der konkretsten Praxisbeispiele des gesamten Summits zeigte. Unter dem Titel „Business Value Meets Impact“ präsentierten vier 15-minütige Impulse, wie KI messbaren gesellschaftlichen Mehrwert schafft, nicht als Theorie, sondern als funktionierende Anwendungen.
Ein besonders prägnanter Beitrag kam von Niki de Schryver, CEO und Gründerin von COSH!, die zeigte, wie ausgerechnet die Modebranche, eine der schwersten Industrien für Veränderung, KI und Daten nutzen kann, um echte Nachhaltigkeitswirkung zu erzielen. Aufbauend auf ihrer Arbeit an einer der transparentesten Lieferketten im Modebereich machte sie deutlich, wie KI-gestützte Tools Konsumverhalten in städtisch messbare Impact-Daten übersetzen können. Die Kernaussage war klar: Transparenz und Kreativität schließen sich nicht aus, sondern können ein Wettbewerbsvorteil sein.
Damit wurde Mode im Programm nicht als reine Ästhetikbranche, sondern als Daten- und Wirtschaftssystem an der Schnittstelle von KI, Nachhaltigkeit und Wertschöpfung betrachtet.
Was die Teilnehmenden mitgenommen haben
Eine Stimme aus der Wirtschaftsförderung Bochum brachte es so auf den Punkt: Generative Tools sind Effizienztreiber, keine Jobkiller, aber die Lösungen für die Herausforderungen, die sie mit sich bringen, werden nicht allein in Brüssel oder Berlin entstehen. Sie entstehen in Städten, regionalen Netzwerken und Kommunen, die bereit sind, konkret zu handeln.
Diese regionale Perspektive, die Lücke zwischen den großen politischen Bühnen und der Realität von Freelancer:innen, Illustrator:innen oder unabhängigen Labels, war vielleicht eines der ehrlichsten wiederkehrenden Themen des Summits.
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Der Deutsche Kreativwirtschaftsgipfel 2026 fand am 28. und 29. April im Kampnagel in Hamburg statt. Er wurde von der Hamburg Kreativ Gesellschaft organisiert und von der Senatsverwaltung für Kultur und Medien der Stadt Hamburg gefördert. Weitere Informationen unter german-creative-economy-summit.de.