Produktionsorte
- Brasilien (Nordosten rund um Fortaleza und Süden rund um Porto Alegre, Rio Grande do Sul)
- Portugal (Felgueiras)
Arbeitsbedingungen & Löhne
VEJA produziert seit der Gründung in Brasilien. Laut Website arbeitet die Marke seit 2005 mit derselben Hauptfabrik zusammen. 2018, 2019 und 2020 sind weitere Fabriken dazugekommen. Seit 2023 lässt VEJA im Rahmen von The Aegean Project auch in Portugal produzieren, speziell für den europäischen Markt. Bis heute sind dort über 100.000 Paare entstanden.
Brasilien hat laut VEJA strenge Arbeitsgesetze, mit Sozialversicherung, Rentenfonds (INSS, FGTS) und Gewerkschaftsfreiheit. Trotzdem gibt es in der brasilianischen Landwirtschaft und in tieferen Ebenen der Lieferkette bekannte Risiken. VEJA geht darauf im Modern Slavery Statement 2025 offen ein.
Das sagt VEJA über die eigenen Fabriken:
- Zwei brasilianische Fabriken sind Fair Trade Certified™ (Fair Trade USA). Sie stehen laut VEJA für 75 % der Produktion. 1 % der Kosten pro Paar fließt in einen Fonds, über den die Arbeiter:innen selbst entscheiden.
- Hersteller und Subunternehmer werden jedes Jahr extern nach SMETA Pillar 4 auditiert. Bei Mängeln gibt es einen Korrekturplan.
- Die Arbeitswoche hat 44 Stunden, es gibt zwei freie Tage pro Woche und vier Wochen bezahlten Urlaub. Überstunden werden bezahlt und liegen laut VEJA meist bei maximal zwei Stunden pro Tag in der Hochsaison.
- Etwa 12 % der Beschäftigten sind gewerkschaftlich organisiert. In zwei Fabriken gibt es eine jährliche Gewinnbeteiligung.
- 2024 lag der Durchschnittslohn am Band bei R$ 2.015 pro Monat. Das ist mehr als der brasilianische Mindestlohn von 2024 (R$ 1.412).
- In Portugal liegt der Durchschnittslohn laut VEJA bei € 1.150 pro Monat für eine 40-Stunden-Woche.
VEJA vergleicht die Löhne nicht mit einem anerkannten Existenzlohn-Benchmark. Ob die Löhne zum Leben reichen, kann nicht bestätigt werden.
In allen Fabriken hängt der Verhaltenskodex aus, zusammen mit Kontaktdaten für Beschwerden. Subunternehmer sind nur mit schriftlicher Zustimmung von VEJA erlaubt, eine weitere Auslagerung ist verboten. Für 2025 meldet VEJA keinen bestätigten Fall von Zwangs- oder Kinderarbeit.
Die Marke kauft direkt bei Kooperativen ein, schließt mehrjährige Verträge und zahlt bis zu 50 % der Ernte im Voraus:
- Baumwolle: 2024 zahlte VEJA laut eigener Angabe R$ 29,59 pro Kilo, etwa dreimal so viel wie der Marktpreis. Rund 1.350 Familien in Brasilien und Peru haben geliefert.
- Kautschuk: VEJA zahlt laut Website R$ 25,45 pro Kilo. Der Marktpreis lag im Juli 2025 bei R$ 4,79. Im Preis stecken Boni für Qualität und Umweltleistungen. Der Kautschuk ist seit 2019 Fair for Life zertifiziert (Ecocert). Laut VEJA sind über 2.500 Familien Teil des Projekts.
Die Logistik in Europa übernimmt Log’ins, ein Inklusionsbetrieb in Frankreich für Menschen mit Behinderung. Seit 2020 hat Log’ins laut VEJA über 300 Menschen begleitet, mehr als 150 davon haben danach einen festen Job gefunden.
Im eigenen Team (über 500 Mitarbeitende) sind laut VEJA 60 % der Führungskräfte Frauen. Der französische Gleichstellungsindex lag 2025 bei 90 von 100 Punkten. Väter bekommen drei Monate Elternzeit, Mütter fünf Monate. VEJA ist seit 2018 B Corp zertifiziert. Die aktuelle Punktzahl liegt uns nicht vor.
Materialien
- Bio- und agrarökologische Baumwolle (Brasilien, Peru)
- Wilder Amazonas-Kautschuk (Brasilien)
- Rindsleder: Glattleder, ChromeFree-Leder, Veloursleder (Suede), Nubuk und O.T.-Bioleder (Brasilien, Uruguay)
- C.W.L. (Cotton Worked as Leather), vegane Lederalternative
- Recyceltes Polyester aus PET-Flaschen (B‑Mesh, Futter, Schnürsenkel)
- Mischgewebe: Hexamesh (70 % Bio-Baumwolle, 30 % recyceltes PET), J‑Mesh (Jute, recycelte Baumwolle, recyceltes PET), Flanell (recycelte Baumwolle, recyceltes Polyester)
- Laufschuhe: EVA mit Zuckerrohranteil, Gummi mit Reisabfällen, Naturlatex (L‑Foam), Pebax® Rnew® (62 % Rizinusöl), TPU. Lies hier mehr über die Sportkollektion von Veja.
- Metallösen (laut VEJA nickelfrei)
Baumwolle: Die Baumwolle aus Brasilien läuft über das brasilianische Participatory Guarantee System. Das ist ein staatlich anerkanntes System, in dem sich Kleinbäuer:innen gegenseitig zertifizieren. Es ist also keine unabhängige Drittzertifizierung. Laut VEJA wächst die Baumwolle agrarökologisch, zusammen mit Mais, Bohnen oder Sesam, ohne chemische Dünger oder Pestizide.
Kautschuk: Die Sohlen bestehen laut VEJA zu bis zu 50 % aus wildem Amazonas-Kautschuk, bei den Laufschuhen sind es 30 bis 32 %. Die übrige Sohle besteht laut Produktseite unter anderem aus synthetischem Kautschuk und mineralischem Silica.
Die Marke gibt an, dass Amazonas-Kautschuk rund 91 % weniger Treibhausgase verursacht als synthetischer Kautschuk. Das basiert auf eigenen Emissionsfaktoren, die Studie ist nicht öffentlich.
C.W.L.: Laut VEJA ist C.W.L. zu 54 % biobasiert. Die Basis ist ein Canvas aus Bio-Baumwolle, beschichtet mit PU, Rizinusöl und Maisstärke. VEJA sagt selbst: 45 % sind noch erdölbasiert.
Recyceltes Polyester: B‑Mesh besteht laut VEJA zu 100 % aus recyceltem PET. VEJA verweist auf Zertifikate für recycelte Materialien, welcher Standard das ist, geht aus den Infos nicht hervor. Gut zu wissen: Recyceltes Polyester aus Flaschen ist fossiles Plastik und kann beim Tragen und Waschen Mikroplastik abgeben.
Verpackung
- VEJA nutzt seit 2005 Schuhkartons aus Naturkraftpapier mit wenig Druckfarbe. Alle Kartons sind laut VEJA FSC™ zertifiziert. Es gibt 19 Kartongrößen, damit kein Material verschwendet wird. Die Verpackung ist noch nicht komplett plastikfrei.
- Wie VEJA Onlinebestellungen verpackt, gibt die Marke nicht an.
Wasserverbrauch & Chemikalien
VEJA hat eine eigene Restricted Substances Policy (Version 6.0, März 2026). Sie gilt für alle Schuhe, Kleidung und Verpackungen. Jedes Material muss vor der Freigabe in einem zugelassenen Labor (SGS, Intertek, IBTEC) getestet werden. Fällt ein Test durch, stoppt die Produktion. Die Grenzwerte orientieren sich laut VEJA immer an Kinderschuhen, also an den strengsten Werten. Die Liste basiert auf AFIRM, REACH und California Proposition 65. (Wichtig: REACH einzuhalten ist in der EU Pflicht.)
Zu PFAS hat VEJA im März 2026 eine Selbsterklärung veröffentlicht: Den Produkten werden laut VEJA keine PFAS zugesetzt. Das Dokument verweist auf Laborberichte, ist aber keine unabhängige Zertifizierung.
Für das ChromeFree-Leder gibt VEJA an, dass 40 % weniger Chemikalien und Energie sowie 80 % weniger Wasser und Salz nötig sind. Womit VEJA das vergleicht, wird nicht erklärt. Diese Zahlen können wir deshalb nicht bestätigen. Die Gerbereien sind laut VEJA nach Leather Working Group (LWG) zertifiziert. LWG prüft unter anderem Wasser- und Chemikalienmanagement.
Zirkuläres Produktdesign
Ein VEJA Sneaker besteht aus vielen verschiedenen Materialien: Baumwolle, Kautschuk, Leder, PU, recyceltes Polyester oder EVA. Diese Materialien sind miteinander verklebt oder vulkanisiert. Das macht das Recycling am Ende schwierig.
VEJA setzt teilweise auf recycelte Materialien und die Schuhe lassen sich in den eigenen Werkstätten reparieren. Ob die Schuhe gezielt so gebaut sind, dass man sie leicht auseinandernehmen kann, kommuniziert VEJA nicht.
VEJA testet die Haltbarkeit mit Maschinen, zum Beispiel auf Sohlenabrieb und Nahtfestigkeit.
Zirkuläres Businessmodell
Seit 2020 läuft das Projekt „Clean, Repair, Collect“:
- Ende 2025 gab es laut VEJA 11 Reparaturstationen in Paris, Bordeaux, Marseille, London, Berlin, Madrid, Brooklyn, Los Angeles und São Paulo.
- Dort wurden über 62.000 Paare repariert, auch Schuhe anderer Marken.
- Im VEJA General Store in Paris arbeiten Schuhmacher:innen und eine Schneider:in. Dazu gibt es über 5.000 Produkte rund um Pflege und Reparatur.
- In den Stationen stehen Sammelboxen. Nicht reparierbare VEJA Paare werden laut VEJA recycelt. Wie genau, erklärt die Marke nicht. Schuhe anderer Marken werden gespendet oder für Kunstprojekte genutzt.
- Bei VEJA x Darwin in Bordeaux gibt es Prototypen, Paare mit kleinen Fehlern und ältere Modelle günstiger.
- Ein mobiler Reparaturcontainer bei Log’ins repariert laut VEJA über 500 Paare mit kleinen Fehlern pro Monat.
Distanz & Komplexität der Lieferkette
- Produktionsorte:
- Brasilien: Montage (Nordosten und Süden), Baumwolle (Nordosten), Kautschuk (Acre, Amazonas, Rondônia, Mato Grosso, Pará), Leder und Gerbereien (Rio Grande do Sul), recyceltes Polyester (São Paulo, Minas Gerais)
- Peru: Baumwolle (Chincha)
- Uruguay: Leder
- Portugal: Montage (Felgueiras)
- Frankreich: Logistik (Île-de-France)
- Der Hauptsitz von VEJA liegt in Paris, Frankreich.
Transport
- In der Lieferkette: Die Rohstoffe reisen laut VEJA per Lkw und Schiff innerhalb Südamerikas. Fertige Schuhe gehen hauptsächlich per Schiff in die Lager. 2024 wurden laut VEJA nur 0,2 % der Paare aus Brasilien eingeflogen. Diese Menge verursachte aber immer noch 48,2 % der Transportemissionen. 2019 lag der Luftfrachtanteil noch bei 19 %.
- Im E‑Commerce: Die europäische Logistik läuft über Log’ins. Mit welchen Versanddiensten und Transportmitteln VEJA Onlinebestellungen ausliefert, gibt die Marke nicht an.
- Rindsleder (Glattleder, ChromeFree-Leder)
- Veloursleder
- Nubuk
- O.T.-Bioleder
- Herkunft: Südbrasilien (Rio Grande do Sul) und Uruguay, laut VEJA überwiegend aus dem Pampa-Biom
VEJA bezeichnet das Leder als Nebenprodukt der Fleischindustrie. Laut Website leben die Rinder frei, ohne Gentechnik und ohne Antibiotika. Außerdem soll kein Leder aus abgeholzten Amazonasgebieten stammen. VEJA kartiert dafür die direkten Partnerfarmen. Die indirekten Farmen sind noch nicht vollständig erfasst.
Das O.T.-Leder aus Uruguay ist laut VEJA „100 % bio-zertifiziert“. Welches Siegel das ist, nennt VEJA nicht. Ein Tierwohl-Zertifikat gibt es nicht. Die Leather Working Group prüft Umweltthemen in Gerbereien, nicht das Tierwohl. Eine eigene Tierschutzrichtlinie (zum Beispiel zu Pelz oder exotischen Ledern) hat COSH! nicht gefunden.
Laut VEJA sind etwa 10 % der Kollektion vegan.
Produktdesign
VEJA macht Sneaker für Damen, Herren und Kinder sowie Lauf- und Trainingsschuhe. Dazu kommen laut VEJA Sandalen, Kleidung und Accessoires.
Die Designs sind modern, aber zeitlos. Laut VEJA sind seit der Gründung nur 37 Modelle entstanden. Die Marke will Sneaker designen, die auch in zehn Jahren noch gerne getragen werden.
Slow Fashion Prozesse
VEJA zeigt jede Saison neue Lookbooks für Frühling/Sommer und Herbst/Winter, meist mit neuen Farben auf bewährten Modellen. Wie viele neue Modelle pro Jahr dazukommen, kommuniziert VEJA nicht.
VEJA macht laut eigener Aussage keine Werbung und steckt das Geld stattdessen in fairere Preise für Produzent:innen.
VEJA thematisiert auf der eigenen Website offen das Problem der Überproduktion und hinterfragt, wie viele Schuhe wir wirklich brauchen. Gleichzeitig hat VEJA seit 2004 über 17 Millionen Paar Schuhe verkauft.
Transparenz des Produktes
Auf den Produktseiten zeigt VEJA die Materialzusammensetzung pro Bauteil, oft sogar mit Prozentangaben. Auch das Produktionsland ist angegeben. Dazu finden Kund:innen Pflegetipps und einen Hinweis auf den Reparaturservice. In welcher Fabrik die Paare hergestellt wurden, erfahren Kund:innen allerdings nicht.
Transparenz des Prozesses
VEJA geht bei der Transparenz deutlich weiter als viele andere Marken. Auf der Projektwebsite veröffentlicht die Marke die Verträge mit den Baumwollproduzent:innen und die gezahlten Preise. Dazu kommt eine Liste der Kautschuk-Kooperativen mit ihren Standorten.
Wer sich für Chemikalien interessiert, findet dort Chemietests, die Restricted Substances Policy und eine PFAS-Erklärung.
Außerdem teilt VEJA den Auditbericht einer Fabrik und das Modern Slavery Statement 2025. Die CO2-Bilanz umfasst auch Scope 3, also die Emissionen der gesamten Lieferkette (2024: 79.727 t CO2e). VEJA nennt dabei offen, was in der Berechnung noch fehlt. Auf einer eigenen Seite namens „Limits“ spricht die Marke zudem über ihre Schwächen.
Zusammenfassung
Du suchst fairer produzierte Sneaker, Turnschuhe oder vegane Sneaker? Finde VEJA in einem COSH! Store in deiner Nähe auf der Karte unten.