Produktionsorte
- Italien (Toskana, Textilbezirk Prato): Konfektion und Strickerei
Arbeitsbedingungen & Löhne
Die Kleidung wird in Italien genäht und gestrickt. Damit gelten EU-Arbeitsrecht und italienische Tarifverträge. Italien hat keinen gesetzlichen Mindestlohn. Die Löhne werden über nationale Tarifverträge zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern festgelegt. Rifò nennt einen durchschnittlichen Bruttojahreslohn von 22.439 € bei einer 37,5‑Stunden-Woche. Diese Zahl stammt allerdings aus Lieferantenangaben und deckt nur 55 % der Zulieferer ab.
In Rifòs eigener Ethik-Policy steht, dass in Teilen der lokalen Industrie irreguläre Beschäftigung und Ausbeutung verbreitet sind. Die Marke beschreibt mehrere Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken:
- Die Lieferkette umfasst laut Bericht 92 Betriebe (Tier 1 und 2) mit rund 1.850 Beschäftigten. Das sind vor allem kleine Familienbetriebe, 40 % davon mit weniger als fünf Mitarbeitenden. Ein Produktionsmitarbeiter besucht die Zulieferer nach Angaben der Marke wöchentlich. Alle Zulieferer unterschreiben einen Verhaltenskodex mit den fünf ILO-Kernarbeitsnormen. Seit 2022 lässt Rifò einen Teil der Lieferkette von Bureau Veritas auditieren. Auf der Website heißt es, dass 2025 33 Zulieferer geprüft wurden und alle die Standards erfüllten. Im Nachhaltigkeitsbericht werden dieselben 33 Audits allerdings als interne Audits bezeichnet.
- Seit 2025 ist Rifò Mitglied der World Fair Trade Organization (WFTO). Gemeint ist die Prüfung der Organisation als Ganzes. Eine Garantie für jedes einzelne Produkt ist das nicht.
- Außerdem ist Rifò seit 2020 B Corp (127,1 Punkte, 2024). Die Rezertifizierung ist für 2026 geplant.
- Die Marke spendet 1 % ihres Jahresumsatzes an Nei Nostri Panni. Das Projekt bildet Migrant:innen zu Cenciaioli (Lumpensortierer:innen), Spinner:innen und Weber:innen aus.
- Im eigenen 28-köpfigen Team liegt der Gender Pay Gap bei 0 %, und Frauen besetzen 63 % der Führungspositionen.
Materialien
- Recycelter Kaschmir
- Recycelte Wolle
- Wolle
- Recycelte Baumwolle
- Bio-Baumwolle
- Regenagri-zertifizierte Baumwolle
- Recycelte Seide
- Recyceltes Leinen
- Recycelte Viskose
- ECOVERO™
- Recyceltes Alpaka
- Deadstock-Baumwollstoffe aus dem Bezirk Prato
2025 bestanden laut Rifò 83 % der verwendeten Garne aus recycelten Fasern. Dazu kommen 9 % Bio-Fasern und 8 % Neufasern. Bei den recycelten Fasern liegt das Verhältnis bei 53 % Pre-Consumer (Produktionsabfälle) und 47 % Post-Consumer (getragene Kleidung).
Für recycelten Kaschmir, Wolle und Baumwolle liegen laut Rifò Ökobilanzen (LCA) externer Institute vor. Die Marke zeigt auf ihrer Website Einsparungen bei Wasser und CO₂ gegenüber konventionellen Fasern. Diese Werte beziehen sich auf das Garn und nicht auf das fertige Kleidungsstück.
Rifò ist GRS-zertifiziert (Global Recycled Standard, ICEA). Wichtig dabei: Nur Produkte mit GRS-Label sind tatsächlich zertifiziert.
Verpackung
- Laut Rifò bestanden 2025 93 % der Etiketten‑, Verpackungs- und Versandmaterialien aus recyceltem Material.
- 16 von 18 Verpackungsartikeln sind FSC-zertifiziert.
- Rifò verwendet Fluffypack: eine wiederverwendbare Versandtasche aus Filz, den Rifò aus aussortierten Textilien herstellt. Weil sie hauptsächlich aus Baumwolle und Polyester besteht, ist sie selbst ein Mischmaterial. 2025 wurde sie nur bei knapp 1 % der Sendungen genutzt, 2024 waren es rund 7 %.
- In der Lieferkette verwenden die Zulieferer laut Rifò 67 % der Kartons wieder.
- Auf Plastik verzichtet die Marke im Lager „wo möglich“. Wie hoch der Plastikanteil in der Lieferkette ist, wird nicht offengelegt.
Wasserverbrauch & Chemikalien
Ein großer Vorteil des Prato-Recyclings: Bei manchen Woll‑, Kaschmir- und Denimgarnen werden die Fasern nach Farbe sortiert. So muss nicht neu gefärbt werden. Laut Lieferantenangaben werden 92 % der Garne nicht nachgefärbt. Rifò betont außerdem, dass die Sortierung durch die Cenciaioli von Hand und ohne Chemikalien erfolgt.
Rifò verlangt von seinen Garnlieferanten REACH-Konformität. Das ist in der EU allerdings gesetzlich vorgeschrieben und daher kein besonderer Vorteil. Für einige Materialien gibt es OEKO-TEX-Zertifikate. Eine eigene Restricted Substances List oder Angaben zum Abwassermanagement der Färbereien veröffentlicht Rifò nicht.
Weil die Kollektion fast vollständig aus Naturfasern besteht, ist das Risiko von Mikroplastik beim Waschen gering. Ausnahmen sind die recycelten Polyester-Etiketten.
Zirkuläres Produktdesign
Die Marke setzt auf Monomaterialien: Mindestens 95 % einer einzigen Faser, damit sich die Teile später leichter recyceln lassen. Laut Website erfüllen das 95 % der Garne. 85 % der Produkte werden mit Nähgarn aus derselben Faser genäht. Reißverschlüsse bestehen aus recycelter Baumwolle. Die Etiketten sind noch aus recyceltem Polyester, sollen aber bis 2026 durch Baumwolle ersetzt werden. Das Ziel ist, bis 2028 komplett polyesterfrei zu sein.
Aus Garnresten und Stoffresten entstehen „Zero-Waste“-Kapseln.
Deadstock wird ebenfalls verarbeitet: 2025 waren es 845 m, fast doppelt so viel wie im Vorjahr.
Ab der Herbst/Winter-Kollektion 2026 soll jeder Pullover ein Reparaturset enthalten.
Ob die Teile am Ende tatsächlich recycelt werden, hängt allerdings davon ab, ob passende Sammel- und Recyclingsysteme vorhanden sind.
Zirkuläres Businessmodell
- Reparieren: Mit der Love-Lasts-Garantie repariert Rifò Produktionsfehler zwei Jahre lang kostenlos. Normale Abnutzung ist ausgeschlossen.
2025 wurden 666 Teile repariert.
In den Läden in Mailand und Florenz flickt Rifò gegen Gebühr auch Strick anderer Marken. - Sammeln: Gemeinsam mit der Kooperative LF23 nimmt Rifò getragene Kleidung aller Marken zurück: Woll- und Kaschmirpullover, Jeans sowie Baumwoll-T-Shirts und ‑Sweatshirts mit mindestens 95 % einer Faser. Du kannst sie an 97 Sammelstellen in Europa abgeben oder ab fünf Teilen kostenlos abholen lassen. Dafür bekommen Kund:innen einen 20-%-Gutschein. 2025 kamen 4,7 Tonnen zusammen. Davon wurden laut Rifò 65 % recycelt und 3 % wiederverwendet. 32 % erfüllten die Materialvorgaben nicht. Diese Teile werden laut Bericht teils zu Fluffypack-Filz downgecycelt. In der Auswertung werden sie aber als Abfall gezählt. Die gesammelte Kleidung macht laut Rifò 24 % der recycelten Post-Consumer-Fasern in der eigenen Produktion aus.
- Weiterverkaufen: Seit November 2025 gibt es mit Re-Rifò (gemeinsam mit Trove) eine Second-Hand-Plattform. Dort können gebrauchte Rifò-Teile gegen Guthaben zurückgegeben und gebrauchte Teile oder Musterstücke gekauft werden. Bis Ende 2025 waren es 72 Bestellungen und 9 abgeschlossene Trade-ins.
Distanz & Komplexität der Lieferkette
- Produktion: Italien, Textilbezirk Prato. Laut Rifò liegen über 90% der Produktionsbetriebe in der Toskana, die meisten im Umkreis von 30 km.
- Hauptsitz: Prato, Italien.
Geografisch ist die Lieferkette sehr kurz. Mit 92 Betrieben ist sie trotzdem recht verzweigt, weil jeder Schritt in einem eigenen kleinen Betrieb stattfindet.
90 % der Post-Consumer-Fasern und 54 % der Pre-Consumer-Fasern stammen von außerhalb der EU. Woher genau, kommuniziert die Marke nicht.
Transport
- In der Lieferkette: Laut Rifò werden 98,6 % des Volumens per Lkw transportiert, der Rest per Flugzeug und Lkw. Für die Fasern, die von außerhalb der EU kommen, macht die Marke keine Angaben zum Transport.
- Im Onlinehandel: Versand per Kurierdienst. Seit Juli 2025 können Kund:innen ihre Bestellung im Laden abholen, was 2 % der Bestellungen nutzen. Die Retourenquote liegt bei 5,3 %. Abholungen für den Rücknahmeservice gibt es erst ab fünf Teilen, damit weniger Fahrten nötig sind.
- Den eigenen CO₂-Fußabdruck gibt Rifò für 2025 mit 269 t CO₂ an, ohne die Nutzungsphase. 97 % davon sind Scope-3-Emissionen. Ab 2027 sollen auch die Emissionen der zehn wichtigsten Zulieferer erfasst werden.
- Recycelter Kaschmir
- Recycelte Wolle
- Neuwolle
- Recycelte Seide
- Recyceltes Alpaka
- Herkunft: überwiegend recycelte Fasern aus Prato. Woher die Neuwolle stammt, wird nicht offengelegt.
Weil der Großteil der tierischen Fasern recycelt ist, werden dafür keine neuen Tiere gehalten.
Rifò hat eine eigene Tierwohl-Policy auf Basis der „Five Freedoms“. Darin schließt die Marke Pelz, Angora, exotische Häute und neue Daunen aus und verwendet nur mulesing-freie Wolle. Bei Neuwolle bevorzugt Rifò Zertifikate wie den Responsible Wool Standard (RWS). Ob die Neuwolle im Fleece tatsächlich RWS-zertifiziert ist, wird nicht angegeben.
Produktdesign
Rifò macht Strick (Pullover, Cardigans, Westen), Jeans und Hosen, Hemden, Kleider, Mäntel, Fleecejacken, T‑Shirts und Accessoires wie Mützen, Schals, Handschuhe und Sturmhauben. Es gibt eine Kollektion für Frauen und Männer sowie einige Unisex-Teile. Das Design ist zeitlos und schlicht.
Slow-Fashion-Prozesse
Rifò bringt zwei Kollektionen pro Jahr heraus. Fast die Hälfte der 140 Designs sind Carry-over-Modelle, also Klassiker, die bleiben. Bis 2027 soll der Anteil auf 70 % steigen.
Pre-Order-Modell: Acht bis zehn Wochen lang sammelt Rifò Bestellungen und produziert erst danach. Als Dankeschön fürs Warten gibt es einen Rabatt, 2025 im Schnitt 16,8 %. Dafür verzichtet die Marke auf Sale, Black Friday und andere Rabattaktionen.
Laut Rifò wurden 2025 96,5 % der Produktion verkauft, nur rund 2.700 von 78.050 Teilen blieben am Lager.
Transparenz des Produktes
Auf den Produktseiten finden Kund:innen die Materialzusammensetzung, Herkunft. 59 % der Produkte haben einen Digitalen Produktpass (DPP) per QR-Code, über denen die Lieferkette und Wirkung nachverfolgt werden können. Bis 2027 sollen es alle Produkte sein.
Transparenz des Prozesses
Die Marke veröffentlicht einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht nach GRI-Standards. Darin ist jede Zahl gekennzeichnet: extern zertifiziert, auf LCA basierend, interne Schätzung oder Lieferantenerklärung.
Dazu kommen eine Lieferantenkarte, mehr als zehn öffentliche Policies und Textile Tours, bei denen Kund:innen die Recyclingbetriebe in Prato selbst besuchen können.
Zusammenfassung
Rifò setzt auf lokale Produktion, Pre-Order, Reparaturen und ein Rücknahmeservice für Kleidung. Bist du auf der Suche nach langlebigem Strick? Entdecke unten einen COSH!-Store in deiner Nähe!