Fünf Jahre Sattelforschung an der HOGENT in Gent führten zu einer einzigen Schlussfolgerung: Die Sattelindustrie muss transparenter werden. Diese Forschung wird durch das Royal Blue Innovation Lab fortgesetzt, das mit der Zadelwerkplaats eine physische Form angenommen hat. Das Atelier befindet sich auf einem ehemaligen Krankenhausgelände in Amsterdam-West. Hier wird die Forschung in die Praxis umgesetzt. Die Gründerin verbindet wissenschaftliche Untersuchungen zur Abstimmung zwischen Pferd, Sattel und Reiter mit einer Vollzeit-Sattlerei und dem Sattelanpassen. Sättel werden nach Maß gefertigt, zu einem Preis zwischen 2.000 und 3.500 Euro, sowohl zum Kauf als auch zur Miete.
Was die Arbeit auszeichnet, ist nicht nur die Passform, sondern auch die Konstruktion. Jeder Sattel ist so konzipiert, dass er vollständig zerlegt und restauriert werden kann: Gewachstes Hanfgarn ersetzt Kunststofffaden, Jutegurte von belgischen Herstellern ersetzen Sicherheitsgurtgewebe, und Syntheseschaum weicht Schafwollfilz. Das Leder stammt von Radermecker, einer belgischen Gerberei, die auf Geschirrleder spezialisiert ist. Das Atelier baut aktiv ein Archiv aus Sattelteilen und Materialien auf, damit Konstruktionsentscheidungen in einer Branche sichtbar werden, die sich historisch abgeschottet hat.
Die Zadelwerkplaats arbeitet nach Vereinbarung. Anpassungssitzungen und Beratungen betrachten Pferd, Sattel und Reiter als ein System, unterstützt durch Maßanalysen. Die Gründerin verfügt über einen Hintergrund in der Sattlerei, als Designerin und als Instrukteurin in den Niederlanden. Für Reiter, die einen Sattel aus dokumentierten Materialien suchen und Reparierbarkeit als Grundvoraussetzung betrachten, ist dies eine der wenigen Adressen in den Niederlanden, wo das möglich ist.